Selbstakzeptanz & Mitgefühl

Die Praxis der Achtsamkeit ermöglicht es uns, nach innen zu gehen und sich bewusst zu werden, ob und wie wir uns selbst annehmen/akzeptieren und auch ablehnen/kritisieren. Selbstliebe und Selbstakzeptanz verstehe ich als Prozess. In vielen Bereichen kann die Tendenz bestehen, uns selbst mit anderen zu vergleichen und uns innerlich abzuwerten.
Tara Brach – meine geschätzte buddhistische Lehrerin – nennt das den „Trans of unworthyness“, ein ständiges „Nicht gut genug sein“, „Nicht liebenswert genug sein“, „Nicht genug bieten zu können“.

Die Achtsamkeitspraxis ermöglicht es, sich bewusst zu machen, wie viel Energie wir oft aufwenden, um zu „manipulieren“, damit wir gemocht, geliebt, wertgeschätzt und anerkannt werden. Wir können auf diese Weise das Leiden, welches das permanente Vergleichen auslösen kann, erkennen.
„This is suffering – may I be kind“ – „Das ist Leiden, möge ich freundlich und wohlwollend mit mir sein“.

Gerade, wenn wir leiden und uns verletzt fühlen, können wir dann freundlich mit uns sein? Weil das den Wenigsten mit in die Wiege gelegt worden ist, kann man durch die Achtsamkeitspraxis lernen, Freundlichkeit mit sich selbst zu trainieren und sich auch mal ein Lächeln zu schenken. Mich spricht das Zitat von meinem Lehrer Jack Kornfield sehr an: „If your compassion doesn’t include yourself, it is incomplete“ – „Wenn du für dich selbst kein Mitgefühl entwickeln kannst, ist das Mitgefühl nicht vollständig“.

Sollten die vollständige Selbstakzeptanz und das bedingungslose Mitgefühl für uns selbst zu abstrakt klingen und unerreichbar erscheinen, so können wir durch die Achtsamkeitspraxis bei der Freundschaft mit uns selbst beginnen. 

Wir sind alle einzigartig und alle miteinander verbunden. Der vietnamesische Zen-Lehrer Thich Nhat Hanh – in dessen Tradition ich an einem Achtsamkeitsjahrestraining teilgenommen habe – spricht vom „Interbeing“.

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