Im Augenblick sein

Über Achtsamkeit und Meditation wird heute sehr viel geschrieben.

Ich verstehe Achtsamkeit als Praxis und setze den Fokus auf die unmittelbare Erfahrung, die Menschen durch angeleitete Meditationen und Übungen bei mir machen können. Erforschen und Wahrnehmen ohne Bewertung, fernab von den Alltags-Automatismen und vom Funktionsmodus, stehen im Vordergrund.

Viele Menschen haben die Vorstellung, dass die Meditation sie von ihren Gedanken frei macht. Eine solche „Gedankenfreiheit“ kann sich zwar mit der Zeit einstellen, aber anfangs ist es eher so, dass durch den Prozess des Nach-innen-Gehens der Lärm im Kopf erstmal verstärkt wahrgenommen wird. Wir nehmen täglich viele Eindrücke auf, wir haben enorm viel an Reizen, Lärm und Informationen zu verarbeiten. Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle sagt deshalb treffend: „Das Gegenstück zum äußeren Lärm ist der innere Lärm des Denkens. Das Gegenstück zur äußeren Stille ist innere Stille jenseits der Gedanken“.

Pause – Stille – Nichtstun: Gar nicht einfach!

In der Vipassana-Einsichtsmeditation, die meine Basis bildet, heißt es so schön „Just sit and watch“ – „Einfach sitzen und wahrnehmen“.

Im Alltag schalten wir oft in den Funktionsmodus, um dem Pensum der alltäglichen Anforderungen gerecht werden zu können. Das ist ganz normal.

Wir sind irgendwo unterwegs – dabei gehen wir beispielsweise die Einkaufsliste für den nächsten Tag durch, planen das Wochenende, verlieren uns in allen möglichen Gedanken… Die Achtsamkeitspraxis ermöglicht es uns, im Augenblick anzukommen – und wahrzunehmen, was im Moment in uns und um uns herum vorgeht: die Fußsohlen auf dem Boden zu spüren, den Wind auf dem Gesicht zu fühlen, das jeweilige Empfinden des Moments wahrzunehmen, einem inneren Dialog zu lauschen etc.